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Stefan Frühbeis: Spieler der Saison
svw-news

17.06.2002 - Schöne Auszeichnung für Stefan Frühbeis: Von den Trainern der Regionalliga Süd wurde er zum "Spieler der Saison" gewählt.
Die Umfrage stammt vom Kicker, hier der ganze Bericht:

Der Spieler der Saison in der Regionalliga Süd - 17.06.2002 09:00

Stefan Frühbeis: Lieber Profi als Metzger

Die Wahl war eindeutig. Sieben der 18 Trainer in der Regionalliga Süd entschieden sich für Stefan Frühbeis, der damit Nachfolger von Danny Fuchs als Spieler der Saison wird. Der Geehrte selbst freute sich vor allem über eine Stimme. Die seines Coaches Rudi Bommer, "denn der kennt mich am besten". Für den 44 Jahre alten Trainer war es keine Frage, dass er sich für seinen internen Torjäger aus der Verteidigung entschied· "Frühbeis hat eine Riesensaison gespielt. Es kommt nicht alle Tage vor, dass ein Abwehrspieler zehn Tore schießt und dann hinten auch nur 22 Gegentreffer zulässt."

An seine zehn Einschüsse will sich Frühbeis selber gar nicht mehr so genau erinnern, doch es waren zumeist Kopfballtreffer nach Ecken von Franz Berger. Vor allen Dingen aber wichtige Tore: Die 1:0-Siegtreffer beim SV Wehen und bei Borussia Fulda, der späte 1:1-Ausgleich gegen Aalen, dem Hertl noch das 2:1 folgen ließ. Und schließlich der Treffer zum 2:0-Endstand gegen Absteiger Fulda, das die vorzeitige Meisterschaft bedeutete. Der letzte Schuss ins Schwarze ist dem passionierten Gitarrenspieler noch gegenwärtig: "Es war geil und erlösend, weil wir wussten, jetzt kann nichts mehr passieren."

Der Linksfuß war aus der besten Abwehr der Liga nicht wegzudenken und stand bei Wacker in der abgelaufenen Saison nur einmal nicht in der Startformation. Nach seiner Gelb-Roten Karte in Erfurt war der 1,90 m große und 87 kg schwere Manndecker im letzten Heimspiel vor der Winterpause gegen die TSG Hoffenheim gesperrt. Ähnliches war ihm in der Spielzeit 2000/2001 bereits passiert, wo er mit neun Verwarnungen zum internen Spitzenreiter avancierte. Trauriger Höhepunkt war das 1:1 bei Jahn Regensburg im April 2001: Nach 27 Minuten musste Frühbeis bereits wegen wiederholten Foulspiels vorzeitig zum Duschen. In diesem Jahr sah er immerhin sieben Mal den gelben Karton.

Rudi Bommer weiß um die Schwächen und Stärken seines Schützlings: "Er ist sehr heißblütig, aber hat eine tolle Einstellung zum Fußball. Er hat vor allem im Aufstiegsjahr begriffen, dass er mit den Hinausstellungen sich und seine Mannschaft schwächt." Fünf Mal stand Frühbeis im kicker in der "Elf des Tages" und schaffte damit auch den Sprung in die "Elf des Jahres" der Regionalliga Süd.

Dabei stand der Start in Burghausen vor zwei Jahren unter keinem guten Stern. Ex-Trainer Rainer Hörgl hatte ihn damals von der SpVgg Unterhaching für seine Viererkette geholt, weil er den leidenschaftlichen Tennisspieler bereits aus seiner Zeit bei den B-Junioren des FC Bayern kannte. Beim deutschen Rekordmeister hatte der gebürtige Münchner die gesamte Nachwuchs-Schiene durchlaufen. Aber die Wackerianer kamen nicht in Tritt, es setzte sieben Auswärtspleiten in Folge. Dann zog der Verein die Reißleine und leitete mit der Verpflichtung von Bommer die erfolgreiche Wende ein. Frühbeis: "Es war vor allem für uns neue Spieler schwierig und erst unter Bommer haben wir wieder gelernt, an uns zu glauben."

Derzeit lädt der Defensivmann gemeinsam mit seiner Freundin Marion auf der Kanaren-Insel Fuerteventura seine Akkus auf. Sein Temperament lebt Frühbeis auf dem Spielfeld aus. Im privaten Bereich liebt der Fußball-Profi die Ruhe und Ausgeglichenheit, Harmonie ist ihm sehr wichtig. Und auch die "faire Behandlung" durch SVW-Manager Kurt Gaugler, als mehrere Erst- und Zweitligisten um den 23-Jährigen warben, hat ihn letztendlich dazu bewogen, seinen Vertrag um ein weiteres Jahr zu verlängern.

Wäre Burghausen nicht aufgestiegen, hätte Frühbeis den Verein verlassen. "Fußball ist kein Wunschkonzert. Ich möchte sportlich weiterkommen und ein weiteres Jahr Regionalliga wäre ein Rückschritt gewesen." Bei dieser Entscheidung ging es sprichwörtlich um die Wurst, denn der gelernte Metzger hatte damals einen "mündlichen Kontrakt" mit seinen Eltern geschlossen. Der Grundtenor: Entweder Fußball-Karriere oder Übernahme des Familienbetriebs. Johann und Martha Frühbeis führen in Oberhaching eine gut gehende Metzgerei.

"Der Vertrag mit ihnen ist ausgelaufen und wird auch nicht verlängert", gibt der Filius lachend zu. Eine Belastung war dieser Pakt nicht, eher "eine Absicherung, um die mich viele Mitspieler beneidet haben". Im Falle eines Scheiterns hätte er einfach seine Ideen in das eingesessene Geschäft eingebracht.

Die Luft in der Zweiten Liga hat er bereits mit der SpVgg Unterhaching geschnuppert. Im Aufstiegsjahr der Münchner Vorstädter 1998/1999 saß der damals 19-Jährige beim Heimspiel gegen den KFC Uerdingen als Einwechselspieler auf der Bank ebenso wie beim Auftritt bei Rot-Weiß Oberhausen und Fortuna Düsseldorf. In diesem Jahr will er natürlich auf dem Platz zeigen, was er kann: "Ich weiß, dass ich noch viel lernen muss. Ich hoffe nur, dass ich gesund beibe. Und wenn wir wieder so als Mannschaft auftreten, kann es genauso weitergehen wie in der letzten Saison." Also Aufstieg in die Bundesliga.

Michael Schulz